Parkhaus Klinikum Bad Hersfeld: Park»Raum schnell und gut gebaut
In Deutschland sind aktuell 55 Mio. PKWs zugelassen, Tendenz steigend. Sie dienen vorwiegend dem Transport von A nach B und werden zwischen den Fahrten abgestellt. Dadurch stehen diese Fahrzeuge durchschnittlich 22,5 Stunden pro Tag. „Stehen“ bedeutet „Parken“.
Parkplatzflächen nehmen einen immer größeren Stellenwert in unserem Alltag ein. Dabei erscheint es wenig sinnvoll, große ebenerdige Flächen zum Parken zu erschließen, da die „eingeschossige“ Ebene den Raum nach oben ungenutzt lässt. Gerade in den Innenstädten ist Raum knapp, und so sucht man nach Lösungen, Fahrzeuge übereinander zu „stapeln“.
Dabei muss der Neubau eines Parkdecks vielfältige Anforderungen erfüllen. Für den Bauherren muss das Erstellen des Parkhauses wirtschaftlich sein und die Konstruktion sollte im Betrieb möglichst niedrige Wartungs- und Instandhaltungskosten verursachen. Für den Benutzer zählen übersichtliche, gut beleuchtete Parkflächen ohne störende Stützen und Träger sowie einfache Leitsysteme. Bei innerstädtischen Baumaßnahmen müssen Brandschutzanforderungen eingehalten werden, um Übergriffe auf vorhandene Nachbargebäude zu vermeiden. Gegebenenfalls muss der Baukörper an den Bestand, architektonisch als auch konstruktiv, angepasst werden. Insbesondere sind hierbei die Höhenentwicklung und Gründungstiefen zu beachten, um vorhandene Gründungen nicht zu beeinträchtigen.
Für all diese vielfältigen Anforderungen haben die Firmen DW SYSTEMBAU, HOFMEISTER Gussasphalt und Peikko Deutschland ein Parkhauskonzept namens Park»Raum entwickelt. Diese Entwicklung kann bei Bedarf durch die Firma Johannes Bau in schlüsselfertiger Ausführung angeboten werden. Das Grundprinzip beruht auf flachen Deckenkonstruktionen, stützenfreien Park- und Verkehrsflächen und robusten Gussasphaltabdichtungen. Ein Konzept, das die Verantwortlichen in Bad Hersfeld überzeugte.
Den dreigeschossigen Neubau konzipierten Dorbritz Architekten als offenes Parkhaus im Split-Level-System. Er besteht aus sechs Parkebenen, die jeweils halbgeschossig zueinander versetzt sind und 215 PKW-Stellplätzen Raum bieten. Ein Indikator dafür, dass hier der Komfort der Patienten des Klinikums im Vordergrund steht, ist die großzügige Breite der Parkbuchten von jeweils 2,75 m.
Optimierung des Deckensystems
Die ursprüngliche Planung beinhaltete, analog der Bauweise klassischer Parkdecksysteme, dass die DELTABEAM Verbundträger in die lange Spannrichtung (ca. 16 m) verlegt werden sollten. Dies hätte jedoch einen bis zu 40% höheren Materialverbrauch an Stahl zur Folge gehabt, als mit dem ausgeführten Slim-Floor System, bestehend aus Spannbetonhohldecken und DELTABEAM Verbundträgern.
Das gewählte System Park»Raum vereint die Grundsätze einer wirtschaftlichen Konstruktion mit den Anforderungen von Investoren und Nutzern. Bei diesem Konzept wird das Primärtragglied, eine 40 cm starke BRESPA®-Decke von DW SYSTEMBAU, über die lange Spannrichtung von bis zu 16 m eingebaut. Die kürzeren Spannrichtungen werden durch den DELTABEAM Verbundträger der Firma Peikko realisiert.
Ein weiterer Effekt dieser intelligenten Abkehr von klassischen Systemen ist eine Reduktion der Konstruktionshöhe von bis zu 25 cm je Ebene.
Kosten über die Gesamtlebensdauer berücksichtigen
Zwischen Planern und Systemherstellern wird immer wieder die Dauerhaftigkeit und Flexibilität der Gesamtkonstruktion diskutiert. Die Möglichkeit einer nachträglichen Erweiterung des Parkhauses wurde durch in die Köpfe der Stahlbetonfertigteilstützen einbetonierte Ankerbolzen von Peikko mit oberseitig bündig eingebauten Muffenverbindungen geschaffen. Diese können im Erweiterungsfall jederzeit zur einfachen Befestigung neuer Stützen verwendet werden.
Die oberseitige Abdichtung der Parkflächen wird beim Park»Raum-System-Parkhaus grundsätzlich aus Gussasphalt hergestellt. In Bad Hersfeld wurde dieses hochwertige Oberflächenschutzsystem von dem Unternehmen HOFMEISTER Gussasphalt eingebaut. Anders als bei Oberflächenschutzsystemen mit geringen Schichtdicken wird Gussasphalt als langlebiges und robustes Oberflächenschutzsystem gemäß dem neuen DBV-Merkblatt „Parkhäuser und Tiefgaragen“ eingestuft.
Bauzeitenplan einhalten – kein Problem
Die vorgefertigte Bauweise eröffnete einen störungsfreien Bauablauf während der Wintermonate 2016/2017. Winterbaumaßnahmen und witterungsbedingte Stillstandszeiten konnten vermieden werden. Die Betonfertigteilstützen wurden mittels Peikko Ankerbolzen und Stützenschuhen mit den Einzelfundamenten biegesteif verschraubt und laufen über alle Ebenen durch. Die deckengleichen Stahlkonsolen ermöglichen eine Auflagerung der DELTABEAM Verbundträger von oben. Aufwendige Knotenpunkte mit Anschlussbewehrung, Schal- und Betonarbeiten sowie einem Zeitverlust durch die bei Ortbetonmaßnahmen notwendige „Betonnachbehandlung“, entfallen.
2012 begann die Planung des Parkhauses. Naturschutzrechtliche Bedenken wurden ausgeräumt, 5.000 t Erdaushub beseitigt und 63 Betonpfähle gesetzt. Die Fassadenverkleidung aus Streckmetall lässt viel Tageslicht und eine natürliche Belüftung des Parkhauses zu. Nachdem im Herbst 2016 der Grundstein gelegt wurde, konnte das Parkhaus etwa ein Jahr später in Betrieb genommen werden. Das neue Parkhaus am Klinikum entlastet Anwohner, Patienten und ihre Angehörigen durch eine deutliche Reduzierung des Parksuchverkehrs. Durch die vielfältigen Herausforderungen in diesem Projekt konnte das innovative Park»Raum System seine Vorteile aufzeigen.
Dipl.-Ing. (FH) Sascha Schaaf, Peikko Deutschland GmbH
Bautafel: Parkhaus Klinikum Bad Hersfeld
- Bauherr: Klinikum Hersfeld-Rotenburg
- Architektur: Dorbritz Architekten
- Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Winges+Schuster
- Ausführung: Willi Herrmann GmbH & Co. KG
- Konstruktion: Stahlbetonstützen, DELTABEAM Verbundträger mit BRESPA-Decken, HOFMEISTER Gussasphalt
- Stellplätze: 215 PKWs
- Fertigstellung: August 2017
- Geschosse: 6
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